Wundermittel BIM

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Building Information Modeling (BIM) ermöglicht die äusserst detaillierte Planung von Gebäuden im 3-D-Modell. BIM ist eine riesige Chance für die Gebäudeautomation, weil sie ihre Bauteile, dank Modell, früh genug aufeinander abstimmen kann und nicht mehr erst als «Schlusslicht» auf der Baustelle.

BIM soll die Basis für die optimierte Planung, Realisierung und Bewirtschaftung von Gebäuden schaffen. Mittels Softwarepaketen werden alle relevanten Gebäudedaten erfasst und vernetzt. Daraus entsteht ein fast vollständiges, virtuelles 3-D-Modell, das sich auf verschiedenen Ebenen visualisieren lässt.

Doch BIM ist bedeutend mehr als der Übergang von 2-D-Zeichnungen zur 3-D-Computermodellierung. Es geht auch darum, Prozesse zu vereinheitlichen, indem Architekten, Fachplaner und Unternehmer am selben Modell arbeiten. ­
In der Theorie werden über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes systematisch Daten gesammelt. BIM ist grundsätzlich keine neue Erfindung, verschiedene Schweizer Unternehmen arbeiten seit Jahren mit 3-D-Modellen und den damit verbundenen Planungsprozessen.

Wie sieht die heutige Situation aus?
Bevor wir auf Vor- und Nachteile von BIM eingehen, ist es sinnvoll, die aktuelle Situation zu betrachten. Es gibt noch verschiedene fehlende Zusammenhänge auszumachen. Einer davon ist, aus der Sicht der Gebäudetechnik, der oft ­fehlende oder spät aufgenommene Dialog mit dem Nutzer. ­Dies beeinträchtigt die Arbeit der Gebäudeautomatiker und Systemintegratoren, die am Schluss das Gebäude so weit bringen müssen, dass es kohärent funktioniert. 

Man stelle sich das vor im Auto: GPS, Radio und Bord­computer würden separat entwickelt, und die verantwort­lichen Firmen würden sich erst kurz vor Auslieferung des Wagens in der Garage kennenlernen und ihre Geräte montieren. ­Die Geräte würden so kaum voneinander profitieren und nicht optimal funktionieren. Der Autofahrer wäre frustriert. Bei ­Gebäuden ist diese Situation leider oft «Standard». Klar, jedes Gebäude ist ein Unikat, besonders in unseren Breiten­graden. Aber auch beim Autobau ist es inzwischen möglich, zumindest in Sachen Ausstattung beinahe Unikate auszuliefern!

Eine weitere Erschwerung ist die Individualität der Prozessbeteiligten: Jeder arbeitet mit einer anderen Software, was die Koordination nicht vereinfacht. Ausserdem liegt der Fokus hauptsächlich auf der Übergabe des Projekts, die Nutzungsphase wird kaum in Betracht gezogen.

Hoffnung und Ernüchterun
Aus Sicht der Gebäudeautomation besteht die Hoffnung, dass sie mit der Verbreitung von BIM früh ins Projekt einbezogen wird und dass ein Gesamtkonzept entsteht, das alle Funktionen integriert und höchste Energieeffizienz gewährleistet. Insbesondere die Koordination ist für die Verantwortlichen der Gebäudeautomation eine Herausforderung. Alle Gewerke ­wie Heizung, Lüftung, Klimaanlage und Kühlung müssen optimal und wenn möglich in Abstimmung mit Storen und Licht funktionieren. Die Gewerke werden meistens von unterschied­lichen Firmen geplant und von wieder anderen installiert. Am Ende muss der Systemintegrator als «Tätschmeister» dafür sorgen, dass die Funktionen zusammen und nicht gegen­einander spielen. In der Regel kommt es schon vorher zu Terminverzögerungen. Jemand muss dies ausbaden, oft ist es der Gebäudeautomatiker. Dass dies eine schwierige ­Situation ist, versteht sich von selbst. Nun bleibt zu hoffen, dass BIM die Situation auf dem Bau verbessert und bessere Voraussetzungen für die wichtige Arbeit der intelligenten ­Gebäudevernetzung schafft.

Weniger Überraschungen auf der Baustelle
Man darf ganz allgemein eine Qualitätssteigerung der aus­geführten Objekte erwarten, wenn die Tools konsequent ­eingesetzt werden, denn sie ermöglichen genauere Vorab­klärungen und eine bessere Dokumentation. Auch schnellere Bauzeiten sind zu erwarten, wie dies zum Beispiel beim Schauffhauser Fussballstadion der Fall war. Mit BIM bestehen weniger Unklarheiten, und Kollisionen werden vermieden, wodurch es auf der Baustelle weniger Überraschungen gibt. ­All dies erhöht die Produktivität. 

Vertreter von Firmen, die langjährige Erfahrung mit BIM haben, äussern allerdings auch gewisse Bedenken, denn BIM erfordert Umdenken und sehr viel Disziplin, insbesondere bei der Wahl der Bauteile. Sind sie einmal im Modell, ist es sehr aufwendig, sie durch andere zu ersetzen. Deshalb müssen auch die Kunden, das heisst die Bauherrschaft, erzogen werden, sie können sich nicht im letzten Moment noch für neue Designelemente entscheiden. Dies kann zu Widerstand und Schwierigkeiten führen.

Es bleibt aber die Hoffnung, dass BIM insbesondere für die Gebäudeautomation eine positive Entwicklung bringt. Es müssen zwar bedeutend mehr Zeit und Energie in die ­Planungsphase investiert werden, dafür verkürzt sich die Bauphase, und es werden Daten für den optimalen, das heisst energieeffizienten und somit kostengünstigen Betrieb generiert.

 

Text: Pierre Schoeffel, www.g-n-i.ch, eco2friendly-Magazin Ausgabe 17

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