Energieeffizienz und Komfort sind kompatibel

Mit einer klugen Gebäudeautomation kann die Energieeffizienz eines Gebäudes verbessert werden, indem unnötiger Verbrauch verhindert oder minimiert wird und die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt werden. Dabei kann aber auch der Komfort erhöht werden, wie dies beispielsweise beim Auto schon längst gemacht wird.

Energieetiketten beim Auto oder bei elektrischen Geräten wie zum Beispiel bei Lampen oder Waschmaschinen sagen, ob deren Energieverbrauch hoch oder niedrig ist. Ähnliches zeigt der Energieausweis für Gebäude anhand einer Klassierung, welche energetische Qualität ein Gebäude aufweist. Erfasst wird dabei die Gesamtenergie (Energieverbrauch für Heizung, Haustechnik und elektrische Einrichtungen). Mit vernetzter, automatischer Betriebsweise der Haustechnik kann die Gesamtenergie eines Gebäudes verringert und damit die Energieeffizienz verbessert werden.

Unnötigen Energieverbrauch verhindern
Es ist unbestritten, dass man mit automatisierten Abläufen – sprich Gebäudeautomation GA und Technischem Gebäudemanagement TGM – in der Gebäudetechnik Energie sparen und zugleich den Komfort erhöhen kann. Dabei geht es darum, unnötigen Energieverbrauch zu verhindern und dort wo es notwendig ist, diesen zu minimieren. Ideal sind gute bauphysikalische Begebenheiten beim Gebäude sowie moderne vernetzungsfähige Geräte und Systeme mit hohem Wirkungsgrad. Im Vergleich zum modernen Automobil, wo meist eine hohe Automationsintelligenz implantiert ist, findet man diesbezüglich auch in modernen Bauten häufig nicht viel. Untersuchungen zeigen aber, dass in Wohn- und Zweckbauten mit einer hochklassigen Gebäudeautomation nicht nur der Energieverbrauch reduziert, sondern auch der Komfort erhöht werden kann. Zusätzlich entstehen ökonomische Vorteile. Denn 80 % der Lebensdauerkosten fallen während der Betriebsphase eines Gebäudes an, davon sind etwa die Hälfte Energiekosten.

Gebäudeautomationsklassen
Mit der seit gut drei Jahren in der Schweiz gültigen SN EN 15232 = SIA 386/110 «Energieeffizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement» kann ein Gebäude bezüglich seinem Automationsgrad in die Effizienzklasse A bis D gemäss Bild 1 klassiert werden. In dieser Norm werden Wohnhäuser und Nicht-Wohnhäuser unterschieden. Man beachte, dass diese GA-Effizienzklassen keine Energieeffizienzklassen sind, sondern sich nur auf das Ausstattungsniveau der Gebäudeautomation GA und des Technischen Gebäudemanagement TGM beziehen:

  • Klasse D: Das GA-System ist nicht effizient oder gar nicht vorhanden. Diese Gebäude sind zu modernisieren. Neue Gebäude dürfen nicht mit solchen GA-Systemen gebaut werden.
  • Klasse C: Standard-GA-System
  • Klasse B: Ein weiterentwickeltes GA-System mit einigen speziellen TGM-Funktionen. Gegenüber Klasse C müssen Raum-Regeleinrichtungen in der Lage sein, mit einem GA-System zu kommunizieren.
  • Klasse A: Ein hocheffizientes GA-System und TGM. Gegenüber Klasse B müssen die Regeleinrichtungen der HLK-Systeme bedarfsgeführt sein und gewerkeübergreifend mit der übrigen Gebäudetechnik (Elektrik, Licht, Verschattung) kommunizieren können.


Welche energetischen Unterschiede sich zwischen den verschiedenen Automationsklassen ergeben, geht aus Bild 2 hervor. Daraus sind mögliche GA-Effizienzfaktoren gemäss SN EN 15232 für verschiedene Räume ersichtlich. So fällt zum Beispiel bei den Büros auf, dass für thermische Energie zwischen der GA-Klasse D (keine Gebäudeautomation) und der GA-Klasse A (hocheffizientes GA-System und TGM) mehr als Faktor 2 liegt. Und bei der elektrischen Energie ist der Unterschied beim selben Büro zwischen Klasse A und Klasse D rund 25 %. Mit andern Worten: Ein hochwertiges GA-System kann den Energieverbrauch in bestimmten Räumen halbieren.

Auch Elektroinstallateure sind gefordert
Bei der energetischen Effizienz eines Gebäudes, speziell bei der Elektroenergie ist auch der Elektroinstallateur gefordert. Mit intelligenten Automationslösungen, zum Beispiel in der Beleuchtungstechnik mit dynamischer Tageslichtnutzung, kombiniert mit anwesenheitsabhängigen Szenensteuerungen, können bis zu 50 % und mehr an elektrischer Energie eingespart werden. Dieses Umfeld ist für den Elektroinstallateur einerseits ein sehr interessantes Betätigungsgebiet, wo er seine Fachkompetenz gegenüber seinen Kunden zeigen kann. Andererseits schafft er einen Mehrwert – nicht nur für seine Firma, sondern für die gesamte Volkswirtschaft.


Anhand der Faktorentabelle eruieren Sie exakt, wie viel Energie in einem Gebäude eingespart werden könnte, wenn Sie es z.B. sanieren würden. In der Klasse A und B befinden sich sehr effiziente Gebäude, die nur mit dem Einsatz von TGM zu erreichen sind. Diese Klassen setzen voraus, dass die eingebaute Technik richtig eingesetzt und betrieben wird.

 


Nehmen wir an, Sie besitzen ein älteres Einfamilienhaus, das sanierungsbedürftig ist. Dieses wird gemäss der Tabelle «GA-Effizienz­faktoren thermisch» als D-Gebäude klassifiziert, also nicht energie­effizient. Aus der Tabelle ersehen Sie, dass Ihr Gebäude das 1,10-Fache mehr an thermischer Energie gegenüber einem Einfamilien­haus der Klasse C verbraucht. Nun sanieren Sie Ihr Einfamilienhaus gemäss den Anforderungen der Klasse A und betreiben es gemäss TGM effizient. Das Gebäude erhält jetzt die Effizienzfaktoren: thermisch 0,81 (vorher 1,10), elektrisch 0,92 (vorher 1,08). Ihr Gebäude ist jetzt energieeffizient. Die Tabelle «GA-Effizienzfaktoren elektrisch» liest sich gleich.

 

Hans R. Ris
Präsident der Gebäude Netzwerk Initiative GNI
www.g-n-i.ch
www.intelligenteswohnen.com

 

 

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