Ein Leben unabhängig vom Stromnetz

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Mit Photovoltaikmodulen an Fassaden und Dächern sowie zwei Windrädern produzieren zwei Mehrfamilienhäuser in Männedorf erneuerbaren Strom. Damit können für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Bedarf an Heiz- und Kühlenergie sowie die Produktion von Warmwasser abgedeckt werden.

 

Erst beim näheren Hinsehen fällt einem auf, dass zwei Mehrfamilienhäuser an der Alten Landstrasse in Männedorf keine normalen Fassaden haben. Die Flächen sind nämlich mit dunklen und weissen PV-Modulen belegt, die zusammen mit den Solarmodulen auf dem Dach sowie zwei kleinen Windrädern erneuerbaren Strom produzieren. René Schmid, der Inhaber der Firma René Schmid Architekten, sagt dazu: «Die Architektur ist bei den Photovoltaikmodulen in keiner Weise mehr farblich eingeschränkt. Somit können PV-Module bald überall als ganz normales Baumaterial eingesetzt werden.» Die PV-Module erzeugen aber nicht nur Strom, sondern dienen der Fassade ebenso als Wetterschutz. Und ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Fassade während der Lebensdauer der Module von heutzutage weit über 30 Jahren nicht gereinigt oder gestrichen werden muss.

Allerhöchste Energieeffizienz
Wie es bei den Leuchtturmprojekten der Umweltarena üblich ist, sind auch die zwei Mehrfamilienhäuser in Männedorf mit innovativen Lösungen ausgerüstet, die eine so hohe Energieeffizienz ermöglichen, dass die Gebäude zu einem autarken System im Netzverbund werden. 

Die Mietparteien der 16 Wohnungen bezahlen keine separate Rechnung für Strom und Warmwasser – ausser, wenn das im Mietpreis inbegriffene Energiebudget von 2000 Watt überschritten wird. Damit dies nicht geschieht, werden die Gebäude mithilfe intelligenter Automation und eleganter Lösungen so gesteuert, dass die Energie in den Häusern optimal eingesetzt wird. Dazu dienen auch die Kurz- und Langzeitspeicher, die es vereinfachen, die produzierte erneuerbare Energie im Gebäude selber zu verbrauchen und möglichst wenig Strom ins Netz einzuspeisen. Zu diesem Zweck können die Mieterinnen und Mieter per App ihren Energieverbrauch beobachten und diesen bei Bedarf reduzieren. Sogar beim Duschen können sie Energie sparen, indem sie weniger Wasser verbrauchen – ein Gerät misst eigens dafür den Wasserverbrauch.

Überschüssiger Strom wird zu Biogas 
Die leistungsstarke Photovoltaikanlage produziert im Sommer mehr Strom, als das Gebäude sowie seine Bewohnerschaft verbrauchen. Deshalb wird der solare Überschussstrom kurzzeitig in einer Batterie gespeichert, für die langfristige Speicherung hingegen steht ein Eisspeicher zur Verfügung. 

Ein weiterer Teil des Stromüberschusses der Überbauung in Männedorf wird zudem zur Power-to-Methan-Pilotanlage der Hochschule für Technik in Rapperswil geleitet, wo daraus synthetisches Methan hergestellt wird. Dieses Gas ist CO2-neutral und wird im Gasnetz zwischengelagert, damit es bei Bedarf im Winter wieder der Wohnüberbauung zur Verfügung steht. Indem die sogenannte Hybridbox aus dem «synthetischen Biogas» je nach Bedarf wieder Strom oder Wärme erzeugt. Dies alles kommt der Umwelt sehr zugute, schliesslich trägt das so ermöglichte CO2-neutrale Wohnen zur Reduktion fossiler Energie bei.

 

CO2-neutraler Betrieb 

Die Mehrfamilienhäuser in Männedorf kombinieren eine Vielzahl innovativer Lösungen, die einen CO2-neutralen Betrieb gewährleisten: 

  • Photovoltaik an den Fassaden und auf den Dächern, zwei Windräder
  • Batteriespeicher zur Kurzzeitspeicherung, ein Eisspeicher für die langfristige Speicherung
  • Synthetisches, CO2-neutrales E-Gas/Biogas 
  • Intelligente und innovative Energiezentrale (Hybridbox)
  • Biogastankstelle und Solarladestation in der Tiefgarage 
  • Intelligentes Energiemanagementsystem für die Bewohnerinnen und Bewohner 
  • Energieeffizienter Lift mit niedrigem Standby-Verbrauch, der mit Wind­energie betrieben wird 
  • Dusche mit Wärmerückgewinnung und damit einer Energieeinsparung von zirka 30 Prozent bei der Warmwassererwärmung

 

Wer genauer wissen möchte, was hinter der Überbauung in Männedorf steckt, kann sich in der Umweltarena Schweiz in Spreitenbach im Rahmen einer Ausstellung darüber informieren.

 

Text: Judith Brandsberg, eco2friendly, eco2friendly-Magazin Ausgabe 2021-1

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