Wohnen mit Energie-Flatrate

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Ein Haus ist dann energieautark, wenn seine Bewohner mit der selbst produzierten Energie leben können. Zusätzlich regelt es mit seinem Speicher die Netzenergie. Daraus ergeben sich neuartige Vermietungsmodelle zum Einheitstarif. 

Mit Wohnhäusern im herkömmlichen Sinne haben die von Professor Timo Leukefeld entwickelten energieautarken Mehrfamilienhäuser nur wenig gemein: Photovoltaikmodule und Solarkollektoren produzieren den Grossteil der Energie, die die Bewohner benötigen. Indem Wärme und Strom in Langzeitspeichern gelagert werden, versorgen sich die Häuser vorwiegend selbst mit der benötigten Energie. Was aber diese Häuser speziell auszeichnet: Sie sind vernetzt. Das heisst, regionale Energieversorger können die Energiespeicher der Häuser nutzen, um überschüssigen Strom zu speichern, zum Beispiel aus Wind- oder Solarstromproduktion. Damit wird das öffentliche Netz entlastet.

Ein Wohnungsmodell mit Zukunft
Um ein Mehrfamilienhaus energieautark zu gestalten, muss der Investor nicht allzu tief in die Tasche greifen. Denn die Mehrinvestitionen für das Energieautarkie-Paket bei einem Gebäude mit beispielsweise sechs Wohneinheiten kommen pro Wohneinheit 60 Prozent unter denen für Einfamilienhäuser zu stehen. Werden nun die zukünftigen Betriebskosten in die Investitionskosten einbezogen, ermöglicht dies völlig neuartige Vermietungsmodelle. So können Vermieter feste Pauschalmieten für die Dauer von beispielsweise bis zu zehn Jahren anbieten, die nicht nur die Kosten für das Wohnen, sondern auch für Wärme, Strom und Elektromobilität enthalten. «Die Bewohner können sich bewegen, wie sie wollen, und brauchen sich nicht an die Technik anzupassen», erklärt Timo Leukefeld. 

Böse Überraschungen ausgeschlossen
Das Modell kommt jüngeren Menschen mit Familie und speziell auch älteren Menschen entgegen, die im Hinblick auf ihre Renten nach Kostensicherheit streben. Dank hoher Energieeffizienz können die Bewohner Solarenergie intelligent nutzen, ohne horrende Nebenkostenrechnungen zu befürchten. So ist die Gebäudehülle gut gedämmt, der Geschirrspüler wird an das warme Wasser angeschlossen, das mit Solarenergie aufgewärmt wird. Das spart bis zu 80 Prozent Stromkosten, «und der Geschirrspüler kann bedenkenlos und häufig benutzt werden, ohne dass die Energiebilanz getrübt wird», sagt Leukefeld. 

Energieversorger: moderner Dienstleister statt Stromverkäufer
Das Modell vom vernetzten energieautarken Haus trägt gleichzeitig zur Netzstabilisierung bei. Denn die Häuser speisen ihren unregelmässig erzeugten Solarstrom nicht einfach ins öffentliche Stromnetz ein, was für die Netzbetreiber eine Herausforderung wäre. Sie stellen im Gegenteil ihre Energiespeicher den Versorgungsunternehmen zum Lagern von Energieüberschüssen zur Verfügung. Solche Überschüsse treten immer dann auf, wenn fluktuierende alternative Stromerzeuger wie Windkraft- oder Photovoltaikanlagen zu viel Strom erzeugen. Dieses Geschäftsmodell macht den Energieversorger zum «Contractor». Als Dienstleister für Planung, Installation und Betrieb eines Rundum-sorglos-Pakets liefert er die gesamte Energietechnik für das energieautarke Mehrfamilienhaus und stellt die Elektromobilität zur Verfügung.

Beide Seiten profitieren
Mit dem Vermieter wird eine Energiepauschale vereinbart. Darin ist der kalkulatorische Anteil der Energie festgeschrieben, die zugekauft werden muss: Zum Beispiel deckt das Haus 70 Prozent seines Bedarfs an Wärme und Strom selbst – aus der Sonne. Die fehlenden 30 Prozent bezieht es aus dem Strom- oder Gasnetz des Energieversorgers. Durch günstige Eigenproduktion und geschickte Nutzung der dezentralen Speicher kann der Energieversorger den kostenträchtigen Anteil minimieren und den eigenen Gewinn erhöhen. «Dieses Modell ist eindeutig intelligenter als das sogenannte Smart Grid, da auf diese Weise grössere Mengen Strom verschoben werden», so Leukefeld.

Intelligente Eigenversorgung mit Wärme, Strom und E-Mobilität 
Die von Leukefeld konzipierten energieautarken Mehrfamilienhäuser versorgen sich nicht nur mit Wärme und Strom aus der Sonne. Sie stellen darüber hinaus auch Energie für die Elektromobilität bereit – die Tankstelle liegt im Carport vor dem Haus. Da im Winter weniger Sonnenstrom produziert wird, gleicht eine Holzvergaserheizung die fehlende Energie aus. Trotz allem sind die Häuser mit einem externen Stromanschluss ausgestattet. Einerseits aus Sicherheitsgründen; andererseits, um Energieüberschüsse der Versorgungsunternehmen einlagern zu können.

 

Text: Timo Leukefeld, eco2friendly-Magazin Ausgabe 18

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