Die Arbeit einer Lichtplanerin genauer beleuchtet

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Damit sich ein Objekt im besten Licht präsentiert oder ein Raum optimal ausgeleuchtet wird, braucht es eine professionelle Planung. Was das  konkret  bedeutet, erklärt die Lichtplanerin Nicole Bussmann im Interview mit Adrian Schwarzenbach, Produktmanager im Fachbereich Licht bei der Firma Otto Fischer.

Wie sind Sie zu Ihrer Berufung als Lichtplanerin gekommen?
Architektur, Gestaltung und Design waren schon immer Themen, die mich fasziniert haben. Nach meiner Lehre als Hochbauzeichnerin habe ich daher beschlossen, dass mein Weg zwar im Architekturbereich weitergehen soll, jedoch nicht als Zeichnerin oder Architektin, sondern mehr in der Licht- und Raumgestaltung. Als professionelle Lichtplanerin zu arbeiten, war vor 15 Jahren jedoch noch nicht ein so grosses Thema und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Schweiz waren dementsprechend schwierig zu finden. 

Und wie hat Ihr Weg in die Selbstständigkeit ausgesehen?
Durch einen Zufall habe ich einen Job in einem kleinen Einrichtungshaus in Zürich erhalten. Somit war der Grundstein für meine Tätigkeit in der Licht- und Einrichtungsplanung gelegt. Vor sieben Jahren dann, nach einer zweijährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung zur Lichtdesignerin und ein paar Jahren als Projektleiterin in der Lichtplanung in einem grösseren Elektro-Engineering-Büro, habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ihn bis heute nie bereut.

Wie kann man sich ein Lichtprojekt vorstellen? 
Nach einer ersten Besprechung, um Anforderungen, Ziele, Schnittstellen und Budgets zu definieren, folgen erste Lichtentwürfe, sprich Handskizzen, Graupläne, und Stimmungsbilder, welche laufend mit den involvierten Parteien besprochen werden. Dabei ist das Vermitteln zwischen Gestaltung und Architektur sowie den machbaren technischen Lösungen ein bedeutsamer Teil der Lichtplanung. Ebenso Teil der Lichtplanung ist eine Produkte- und herstellerneutrale Ausschreibung, in der die technischen und gestalterischen Anforderungen an die Beleuchtung klar formuliert werden. Vorgängig erstelle ich dafür jeweils Lichtberechnungen, überprüfe die Kosten, kläre ab, wie die Ein- und Aufbausituationen aussehen, und definiere die Lichtsteuerungen sowie die Regulierung. Dank den heutigen LED-Anwendungen gibt es eigentlich fast keine Wünsche mehr, die nicht realisiert werden können – sie stellen uns aber auch vor viele neue Aufgaben und Herausforderungen, welche ein grosses, fundiertes technisches Wissen erfordern, um ein Projekt erfolgreich abzuschliessen. 

Wie wichtig ist das Tageslicht bei einer Lichtplanung?
Bei der Kunstlichtplanung geht es insbesondere darum, Architektur, Menschen oder Gegenstände in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Wir lenken den Blick, unterstreichen die Architektur und schaffen Stimmung und Atmosphäre. Das Kunstlicht kann jedoch das natürliche Licht nie ersetzen, denn das Tageslicht hat eine körperliche Wirkung auf den Menschen und ist somit ein zentrales Element der Architektur sowie des Raums und dessen Nutzung. Um eine ideale und harmonische Gesamtlösung zu finden, ist folglich eine abgestimmte und frühzeitige Planung notwendig. Die vielen Variationen, welche das Tageslicht kennt, wie Blendungen und Helligkeitsunterschiede, sind nicht zu unterschätzen, und eine Kontrolle beider Systeme ist daher unumgänglich.

Werden Sie bei Ihrer Arbeit oft mit dem Thema Energieeffizienz konfrontiert?
Energieeffizienz ist schon lange ein wichtiges Thema, welchem in der heutigen Zeit zum Glück durch unzählige Möglichkeiten bestens Rechnung getragen werden kann. Nebst der Selbstverständlichkeit, effiziente Lösungen bei Neu- und Umbauten zu erarbeiten, gehört zu meiner Arbeit allerdings auch oft das Erstellen von Anträgen für Förderbeiträge. Das mag im ersten Moment etwas seltsam klingen, hat aber tatsächlich viel mit Energieeffizienz zu tun. Denn nicht selten besteht die Möglichkeit, bei einer Beleuchtungssanierung finanzielle Unterstützung für die Umrüstung auf eine neue und effiziente Beleuchtungsanlage zu erhalten.

Was gefällt Ihnen speziell in Ihrer Arbeit und was weniger?
Meine Arbeit ist herausfordernd und abwechslungsreich. Und es macht mich stolz, wenn ich ein Projekt von den ersten Entwürfen bis hin zum vollendeten Bauwerk begleiten darf. Was mir allerdings manchmal ein bisschen zu schaffen macht, ist der zunehmend raue Umgangston, der manchmal herrscht. Oftmals stehen die Projektbeteiligten enorm unter Druck und geben dies oft ungefiltert weiter. Ich versuche dies dann nicht persönlich zu nehmen, aber es ist zuweilen schon schwierig. Wenn dann aber das Projekt fertig ist und der Nutzer sowie die Bauherrschaft zufrieden mit dem Entstandenen sind, macht dieses gute Gefühl alles bei Weitem wieder wett.

 

Text:  eco2friendly-Magazin Ausgabe Herbst 18

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