Vom Abfall zum Strom

Das Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz ist weit mehr als ein Abfallentsorger. Denn dort wird der Abfall thermisch verwertet und in Form von Fernwärme und Elektrizität weiterverwendet. In einem Rundgang durch das Werk können Besucher den Weg vom Abfall zum Strom verfolgen.

 

Im Mittelalter waren die Gassen noch voller Abfälle und flüssiger Kloake, und es muss fürchterlich gestunken haben – leider gibt es sogar heutzutage noch solche Zustände auf Erden. Jedoch wird nun an vielen Orten der Welt das Wasser geklärt und der Abfall fleissig getrennt und wenn möglich wiederverwertet. Was nicht verwertet werden kann, wird verbrannt. Die bei der Verbrennung entstehende grosse Hitze in den Kehrichtverbrennungswerken liess man lange Zeit einfach verpuffen. Bis die Idee kam, dass man diese Energie nutzen könnte. Und zwar, um Haushalte und Firmen mit Wärme und Dampf zu versorgen sowie Strom zu produzieren. 1904 wurde das Kehrichtheizkraftwerk Josefstrasse in Zürich als viertes in Europa in Betrieb genommen. 1969 wurde dann das Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz eröffnet.  Dieses ist mit einer Kapazität von rund 240 000 Tonnen Abfall pro Jahr die grösste Anlage zur thermischen Abfallverwertung in der Schweiz und zusammen mit der Anlage in Basel absolute Spitze bei der Energieerzeugung. 

Eine spannende Schulstunde

Nicht nur Gruppen von Erwachsenen können in Führungen erleben, wie der Prozess vom Abfall zur Energie abläuft, sondern auch Schulklassen. 

Die mit Helmen ausgerüsteten Schüler staunen darob, wie viele Kehrichtwagen auf dem Gelände ein- und ausfahren – dabei handelt es sich hier nur um den Abfall der Stadt ­Zürich und den umliegenden Gemeinden. Die grossen Muldenkipper leeren ihren Inhalt in Kippschurren, von wo er direkt in die Abfallbunker fällt. Dort bleiben die Säcke für etwa drei Tage liegen und werden durch den Unterdruck, der darin herrscht, auf die Verbrennung vorbereitet. Dank dem Unterdruck werden Geruchs­belästigungen in der Um­gebung verhindert. Durch grosse Fenster können die Schüler beobachten, wie sich ein riesiger Kran durch die Berge arbeitet und Tag und Nacht den Brennofen füttert, wo der Abfall bei etwa 1000 Grad Celsius verbrannt wird. Dass das Feuer wirklich sehr heiss ist, sieht man an den gleissend hellen Flammen, die man durch eine Luke beobachten kann.

Mit einem Lift geht es nun hoch in den 12. Stock. Dort oben ziehen einige Schüler ihre Jacken aus, denn die Wärme der Rohre, die hier durchgehen, ist gut spürbar. Der immer noch etwa 400 Grad heisse Dampf wird nun weitergeleitet und in der Stadt Zürich im Dampf- und Wärmenetz verteilt. Das sind jährlich 700 000 Megawattstunden. Würde diese Wärme fossil erzeugt, müssten rund 34 000 Tonnen Heizöl extraleicht verbrannt werden. Das ERZ beliefert die Stadt darüber hinaus mit rund 120 000 Megawattstunden Strom pro Jahr, der in Dampfturbinen produziert wird. So können 35 000 durchschnittliche Stadtzürcher Haushaltungen von Strom aus Abfall profitieren.

Abfalltrennung noch nicht genügend

Eigentlich wissen Herr und Frau Schweizer, dass der Abfall getrennt werden muss, denn einige Materialien wie Aluminium und andere Metalle verbrennen trotz der hohen Temperaturen in der Kehrichtverbrennung nicht. Dieses Wissen wird aber nicht immer in Taten umgesetzt – zumindest nicht in der Stadt Zürich – fallen doch alleine im Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz jährlich rund 40000 Tonnen Kehrichtschlacke als Endprodukt des thermischen Verwertungsprozesses an. Darin sind rund 5000 Tonnen Metall enthalten, die zurückgewonnen und wiederverwendet werden. In einem kleinen Raum können die Schüler das Bespiel einer Schlacke mit den nicht brennbaren Eisen und Metallen betrachten. Das sieht im ­blauen Licht schon sehr beeindruckend aus, und als das Licht wieder angeht, tönt es enttäuscht: «Schade, können wir das Licht nicht wieder löschen?» 

Hochgiftige Rückstände werden zu Sondermüll

Bei der Verbrennung des Abfalls entstehen hochgiftige Rückstände wie Gase und Flugasche. Diese Rückstände müssen in einem dreistufigen Verfahren gesäubert werden, bis schliesslich aus dem Kamin der weitherum ersichtliche weisse, gereinigte und ungiftige Wasserdampf entweicht. Die Schüler dürfen durch eine simulierte Waschmaschine gehen. Beim Sich-durch-die-Bänder-Schlängeln können sie erfühlen, wie die Flugasche gewaschen und gereinigt wird. Nach dieser umfassenden Reinigung bleibt noch die Aktivkohle  übrig, die als Sondermüll gesetzeskonform unter Tage deponiert wird. Als Abschluss der Führung können die Kinder an einem Modell nochmals sehen, wie alles funktioniert. Die Antworten auf die gestellten Fragen beweisen, dass alle gut aufgepasst haben. Selten war wohl eine Schulstunde so spannend und informativ. 

www.erz.ch

eco2friendly-Magazin 2019-2

 

 

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