Das Haus als Sparschwein

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Die Haushalte in der Schweiz verbrauchen insgesamt rund ein Drittel des elektrischen Stroms. In jedem Haus schlummert also einiges an Energiesparpotenzial. Und innovative Lösungen kommen nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Portemonnaie zugute.

«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.» Dieses Zitat stammt nicht von einem Elektrizitätsunternehmen und auch nicht von einem Lampenhersteller, sondern von Jeremias Gotthelf. Er hatte es 1842 in einer Rede an den Schweizerischen Schützenverein verwendet. Gotthelf hat damals wohl kaum an Lampen, an Solarzellen, an Gebäudeautomation oder an fortschrittliche Haushaltsgeräte gedacht. Das Zitat passt jedoch gut zu den Themen Licht und Energiewende.

Vieles ist heute automatisiert; zum Beispiel beim Auto: Es merkt, wenn ich mich ihm nähere; die Lampen leuchten, zeigen die Pfützen am Boden an, weisen den Weg, und beim Berühren der Türe geht diese auf, vorausgesetzt, ich habe den Schlüssel in der Hosentasche. Und später beim Nach- Hause-Kommen? Der Weg und die Treppe zum Haus sind dunkel. Nichts rührt sich. Man sucht nach dem Lichtschalter und dem Schlüsselloch. Dabei wäre es ganz einfach. Mit einem Bewegungsmelder und mit LED-Lampen, die frühzeitig reagieren, wenn ich im Anmarsch bin und dann sofort leuchten.

Licht im Haus
LED-Lampen sind ein gutes Beispiel für Stromeinsparungen. Damit verbraucht ein Haus gegenüber der Ausstattung mit alten Glühbirnen rund zehnmal weniger Energie. Bei vielen Fenstern in der Nachbarschaft sehe ich in Kellergeschossen oder im Estrich während Tagen, ja sogar Wochen das Licht brennen. Mit einem Sensor würden die Lampen nur brennen, wenn Licht benötigt wird. Die laufende Revision der Energieverordnung wird ein gesetzliches Verbot der Halogenglühlampen bringen, welches ab 1. September 2018 in Kraft tritt. Je früher LED eingesetzt wird, umso weniger Strom wird verbraucht.

Geräte
Seit einigen Jahren dürfen Geräte von Gesetzes wegen im Aus- und Stand-by-Betrieb keinen oder nur noch wenig Strom brauchen. Neu werden diese Vorschriften auch für Apparate im Netz gelten. Jedoch betrifft dies nur neuere Geräte, ältere Produkte wärmen die Umgebungsluft nach wie vor kräftig auf. Machen Sie den Hand-Test: Wenn ein Ladegerät, ein Netzwerkadapter, ein Router, eine Set-Top- Box, eine Kaffeemaschine oder Ähnliches warm ist, dann verbraucht das Gerät auch Strom.

Bei Neugeräten weist die Energieetikette den Weg. Nur Bestgeräte sind in der höchsten Effizienzklasse. Diese machen den möglicherweise etwas höheren Anschaffungspreis durch weniger Stromkosten wieder wett. Auch hier ein Vergleich: Wie alt ist Ihr Auto? Ihr PC? Ihr Fernseher? Und wie alt ist Ihr Kühlschrank? Ihre Waschmaschine? Ihre Umwälzpumpe?

Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung der Staubsauger. In der Vergangenheit wurde «Watt» gekauft – je mehr Watt, umso besser, das heisst, 2200 sind zwar besser als bloss 1900 Watt, andere Informationen gab es kaum. Mit neuen Vorschriften wird die Leistung auf 1600 Watt und ab 1. September 2017 auf 900 Watt beschränkt, und trotzdem haben solche Geräte beste Saugleistungen, kaum Ausstoss von Schmutzpartikeln und sind darüber hinaus noch leise. Dies alles ist den Angaben auf der Energieetikette zu entnehmen.

Lüftung, Steuerungen, IoT
Eine Komfortlüftung heisst nicht so, weil Marketingleute sie so getauft haben. Sie bringt wirklich viel. Eine gute Durchlüftung ist auch bei Abwesenheit gewährleistet, und im Raum ist es viel weniger lärmig, wenn die Fenster geschlossen bleiben. Sonnen- und Lamellenstoren werden automatisch aus- und wieder eingefahren. Helligkeitsfühler und Windwächter überwachen das Ganze. Die Zukunft mit IoT, kurz für das «Internet of Things», hat begonnen. Ein Beispiel ist die Kommunikation der Heizungssteuerung mit der Wetterprognose. Je nach Quellenangaben werden damit bis zu 30 Prozent Energie gespart, und es ist genau dann warm, wenn es gewünscht wird. Denn das System ist lernfähig und passt sich den Gewohnheiten an.

Im Hause muss beginnen …
Eigentlich wäre es ganz einfach, Strom zu sparen. Wir alle wissen, was wir tun sollten. Warum fällt es uns dann so schwer, unser Verhalten zu ändern? An der Kenntnis liegt es nicht, und entsprechende Produkte sind vorhanden. Vielleicht ist unsere Trägheit dafür verantwortlich, dass wir nicht handeln. Oder könnte es daran liegen, dass wir das Gefühl haben, es sei ja noch genug von allem vorhanden? Manche denken: «Was bringt das schon, wenn ich ein wenig spare?» Und vergessen dabei, dass eben acht Millionen Mal wenig auch viel ergibt. Deshalb ist jeder Beitrag wichtig, auch wenn er noch so klein ist.

Beobachten Sie Ihre Umgebung: Wo stehen Fenster auch in der kalten Jahreszeit immer offen? Wo brennt unnötig Licht? Welche Geräte sind unnötig eingeschaltet? Welche sind warm, ohne in Betrieb zu sein? Wo hat es noch Glüh- und Halogenlampen? Wo kann der Komfort durch eine automatische Steuerung verbessert und gleichzeitig Strom gespart werden?

Aufruf an die Fachleute
Um die Entwicklung in Richtung Energieeffizienz voranzutreiben, sind die Fachleute besonders gefragt: Machen Sie Ihr Haus und die Häuser Ihrer Kunden zu Vorbildern in Sachen Stromund Energieeffizienz. Werben Sie mit guten Beispielen. Das ist auch Ihrem Geschäft zuträglich. Denn alle, welche es Ihnen oder Ihren Kunden gleichtun möchten, gehören wiederum zu Ihrer potenziellen Kundschaft.

 

Text: Dr. Heinz Beer, eco2friendly-Magazin Ausgabe 15

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